Und zur Not sägen wir den Stiel unserer Zahnbürste ab.

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„Und schließlich, im Dorf Ussel, rutschte der Packsattel mitsamt der ganzen Last herunter und schleifte im Staub unter dem Bauch der Eselin. Allzu erfreut blieb sie sofort stehen und schien zu lächeln…..“ (Robert L. Stevenson)
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Kulturbeutel für Esel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir bereiten uns intensiv auf unsere Eselwanderung auf dem Cevennen-Stevensonweg vor. Besser vorbereitet als der „Schatzinsel-Autor“ überlassen wir weniger dem Zufall. 

 

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Hufpflege – wer hat schon gerne einen Stein im Schuh?

Als der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson im Herbst des Jahres 1878 zu seiner Reise von Le-Monastier-sur Gazeille nach Saint-Jean-du-Gard aufbrach, wurde er von seiner Eselin Modestine begleitet, die ihm helfen sollte, seine umfangreiche Ausrüstung, wie zum Beispiel eine ganze gebratene Lammkeule, eine Flasche Rotwein und, ganz wichtig, einen Schneebesen zu transportieren. Als Protestant interessierte er sich damals vor allem für den Camisardenkrieg, der sich in den Cevennen an der Unterdrückung und Verfolgung der Protestanten entzündet hatte. Zudem ging er gern zu Fuß, um „aus dem Federbett der Zivilisation zu steigen……“„Von Touristen meiner Sorte hatte man in dieser Gegend noch nie etwas gehört. Man betrachtete mich mit geringschätzigem Mitleid wie einen, der sich eine Mondreise vorgenommen hat, und zugleich mit respektvollem Interesse, wie einen, der im Begriff ist, zum unwirtlichen Nordpol aufzubrechen.“

Heute ist der Weg, auf dem sich R. L. Stevenson häufig auch kreisförmig verlief, als GR 70 rot-weiß markiert und Dank Locus 2.2 für Smartphones haben wir vermutlich keine Chance vom rechten Weg ab zu kommen. Herbergen und Zeltplätze ersetzen das primitive Biwak unterm Sternenhimmel und die Lammkeule lassen wir besser zuhause.  Unser Lastenträger ist sicher kräftiger als Modestine und hoffentlich ein bisschen weniger störrisch. Funktionskleidung hält uns warm und trocken und nützliche Errungenschaften der modernen Zivilisation, wie Microfaser-Handtücher und Titan-Trinkbecher, reduzieren das Packgewicht. Schließlich möchte auch unser Esel nur 40 Kilo tragen. Zur Not sägen wir auch den Stiel der Zahnbürste ab. Erwartet uns geringschätziges Mitleid und respektvolles Interesse? Wir sind offen für alles, was uns auf 220 Kilometern in 12 Tagen begegnet. Sicher ist, dass uns der Cevennen-Nationalpark ein unverfälschtes und abwechslungsreiches Naturerlebnis verschaffen wird, um „zu entdecken, dass die Erde unter den Füßen aus Granit besteht….“

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Geht’s jetzt endlich los?